Burgstraße 72, Halle

Saal-Geschichte

Feste-Feiern … im legendären Mohrensaal
1536 - „Mohr“-Gründung
2011 - der Mohr wird 475 Jahre jung und ist somit das älteste Gasthaus in Halle an der Saale

Mohrensaal-Bau in 3 Etappen:

1. Phase: 1860 Mohrensaal-Gründung
2. Phase: 1882 Erweiterung bis Bühne
3. Phase: 1892 Erweiterung kleiner Vereinssaal (heutiges Foyer und Buffet-Raum)


Nutzung

In den ersten hundert Jahren Tanz- und Privatveranstaltungen, nach 1945 Wiederbelebung durch Tanz mit Sängern, Band und Kapelle (bis 300 Gäste!)

50er Jahre: erste politische Konflikte mit DDR-Behörden (zu viel „kapitalistische“ Musiktendenzen – Verwarnung, Bußgeld, Razzia) Der politische Druck wird zu groß – Schließung als Tanzsaal Ab und zu Vermietung an Konsumgenossenschaft „Markenkleben“, Brieftaubenzüchter
Nun hat der DDR-Staat „seinen Frieden“ und die Kontrolle.
Jährlich einmalig Burgfasching mit Kultstatus (brechend voll) End-80er-Jahre Komplettumbau, Finanzierung durch den DDR-Staat mit Folgen, Herausreißen des historischen Parkett-Fußbodens, Rückbau der gesamten Saalbühne (auch des mechanischen Bühnenzuges)
Einbau einer riesigen Betonwand, Gießen eines Zementfußbodens mit DDR-typischem Linoleum
Traurig-historisch fast 30 Jahre lang bleibt nun der Blick verwehrt vom Mohrenhof (Garten) zur Burg Giebichenstein
Der Saal wird seiner neuen „Bestimmung“ zugeführt – als Archiv, Bibliothek und Leseraum der Stadt

1989 Grenzöffnung- der Mohrensaal wird als Theater-„Schiller“-Bühne wiederbelebt
Die Schauspieler sorgen für frischen Wind, großen Anteil des alten-neuen Glanzes hat Frau von Strauch

Mitte der 2000er Jahre verlässt die Schiller-Bühne den Mohrensaal Zu diesem Zeitpunkt hat der bauliche Verfall des Gebäudes stark zugenommen
Mit viel Liebe und Eigenengagement schafft es Frau Ursula Mohr den Bauzustand so zu erhalten

Im Herbst 2009 erwirbt das Gastwirt-Ehepaar Schad das Mohrenanwesen.
Frau Mohr fiel es schwer, ihren Mohr, nach beinahe 100 Jahren Familienbesitz zu verkaufen.
Die Familie Richter / Mohr (ganz einfach und doch so zufällig: Frau Mohr ist geborene „Richter“, heiratet Herrn Wolfgang Mohr), führte den „Mohren“ durchs Kaiserreich, den ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik, die Zeit des Nazi-Regimes, den furchtbaren zweiten Weltkrieg, die DDR-Diktatur, eine Feuerbrunst, die das gesamte Gebäude 1979 heimsuchte, einen aufopferungsvollen Wiederaufbau (nur DDR-Zeiten-Erfahrene wissen, was das für eine Leistung war)

Als im November 1989 die „Wende“ kam, war das für den Mohr und ihre Chefin auch eine spannende Zeit, mit vielen Ideen, vielen Träumen, manchen Enttäuschungen und riesigen Investitionen Zwanzig Jahre Mohrenzeit gingen ins Land, Vieles erreicht, Manches begonnen, Einiges auf den Weg gebracht, Weniges geträumt, Einzelnes nicht umgesetzt.

Als Frau Mohr Ende 2009 den Mohr, an uns -Michaela und Gunnar Schad verkaufte. spürten wir einerseits wie die schwere Last von ihren Schultern fiel, andererseits die Wehmut einer Frau, die ihr gesamtes Leben in den Dienst eines Betriebes gestellt hatte.
Bei so manchem Kaffee- und Kuchengespräch erfuhren wir ein wenig Geschichte der Mohren-Mauern, lauschten den Erfahrungen der Mohren-Wirtin, steckten Kritik ein, aber immer nett, beinahe entschuldigend verpackt.
Frau Mohr erlebte noch den Ausbau ihres Mohrensaales. Ihr großer Traum nahm Gestalt an.
Wieder waren es fleißige Handwerker, der feste Glaube etwas Gutes zu schaffen, der „Schutt“-Berge versetzen ließ.

Im Frühjahr 2011 führten wir Frau Mohr durch das Anwesen, ihre „alte“ Wohnung, ihren Garten, den legendären Mohrensaal. Frau Mohr verstarb am 28.07.2011 – viel zu früh.

Die Eröffnung des historischen Mohrensaales, in dem sie schon als Jugendliche, Erwachsene, Ehefrau, Mutter und Großmutter arbeitete, wurde am 29.10.2011 mit einem zünftigem Themenabend „Let’s dance!“ mit Volkhard Brock und Freunde wiedergeöffnet.

Zu guter Letzt sei gesagt, die Familie Mohr überreichte meiner Frau -Michaela- und mir -Gunnar- vertrauensvoll die gesamte Mohren-Chronik, die über hundert Jahre gepflegt und durch Herrn Richter (Bruder von Frau Mohr) weiterentwickelt wurde.
Andreas Bogisch, ein Freund von M. und G. Schad, hat mit ausdrücklicher Genehmigung der Familie Mohr / Richter die Chronik eins zu eins gebunden. Sie können gern den einen oder anderen Blick drauf werfen.

Der Kreis hat sich geschlossen, der Mohrensaal geöffnet.
Öffnen Sie nun Ihre Herzen und sagen Sie 2 mal „ja“ – einmal beim Standesamt, einmal zum legendären Mohrensaal.

Ihr Mohren-Team